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Das ist nicht so leicht zu erkennen, solange die prägende Kultur "Macht über andere" idealisiert und das Lauschen der inneren Stimme behindert. Ist die innere Stimme zu leise, werden die äußeren umso lauter, und die brüllen: Autofahren macht mobil, bringt Freiheit und Sex. Und schon haben wir die Autodichte von heute und keinen Platz mehr für Kinder. Doch, ach wie komisch, in der Stunde der Wahrheit, beim Therapeuten, am 23. Dezember in der Einkaufsstraße und manchmal auch beim stillen Sonnenuntergang am Waldrand oder Sandstrand, da fühlen plötzlich die Allermeisten, dass diese Zivilisation in tiefster Seele krank ist, eine Kapitalmissachtung unserer Göttlichkeit.

Wer diese erfährt, entwickelt Achtung: für sich selbst, als Teil des Ganzen, und für alle anderen Erscheinungen im Universum. Egal, ob Stein, Eiche, Adler oder Regenbogen - in der Erkenntnis ihrer Göttlichkeit und im Erleben ihrer heilenden Wirkung auf mich werden sie mir heilig. Den Leib eines Baumes oder den Leib von Mutter Erde empfinde ich gleich dem eigenen Leib als "integre" (unverletzliche, nicht aber unverwundbare) Kreatur und gleichzeitig als Lustquelle und energetische Nahrungsquelle, die ich in der ihr eigenen Schönheit wahrnehme, achte und schonend behandle.

Der neue Reichtum sättigt mich so sehr und erfüllt mich so tief, dass mein Verlangen nach Ablenkung, Fremdunterhaltung und Zerstreuung schwindet, ich sitze ja direkt an der Quelle. Nach jeder "Online-Reise" sehe ich mit zunehmender Klarheit: Der Aufwand der Konsumgesellschaft dient dazu, die Menschen von den Beeinträchtigungen durch die Industriegesellschaft abzulenken, zu trösten gewissermaßen, auch wenn dadurch alles noch schlimmer wird: durch den Flug auf die Malediven; durch den Kaufrausch im Konsumtempel; durch die Zerstreuung in der Welt elektronischer Virtualität. Wird die Freizeit zur Industrie, schließt sich wieder einmal der Kreis, und das fossile Feuer wird mit Öl gelöscht.

Wer hingegen über die eigene Göttlichkeit mit dem Universum in reger Verbindung steht, bekommt mit ziemlicher Sicherheit Lust auf einen ganz anderen Lebensstil: naturbelassene Nahrungsmittel und Gewürze anstatt künstlicher Aromen aus Konserven; maßgeschneiderte, langlebige Gebrauchs-gegenstände aus handwerklicher Fertigung anstelle industrieller Massenware; Wohnräume aus Stein, Erde oder Holz, die mit der Sonne kooperieren und weder ausstrahlen noch ausdampfen (dafür Stille konzentrieren und vitalisieren). Mobilitätserfahrung am eigenen Körper, im Tanz, im Zu-Fuß-Gehen, im Langsam-Reisen anstatt im "Sport"-Wagen; das Auto wird als unspirituellstes aller Artefakte, als simple Quelle von Lärm, Abgasen und Gewalt stehen gelassen. Körperliche Immobilität am Arbeitsplatz wird nicht länger durch die Betätigung des Gaspedals kompensiert. Acht Tagesstunden vor dem Bildschirm werden als Sünde gegen die eigene Göttlichkeit empfunden. Hingegen erfährt manuelles Tätigsein eine Aufwertung. Im alten China war es lange Zeit unvorstellbar, dass eine Maschine die Arbeit erleichtere, weil [körperliche] Arbeit als eine heilige (= heilende) Angelegenheit betrachtet wurde. Bei der Arbeit in und mit der Natur findet der Mensch Erfüllung: Gott kommt zu sich selbst.

Die Konsequenzen wären revolutionär: Wenn sich die Menschen allmählich immer weniger für Bürojobs, Fabrikarbeit und Teleworking interessieren und zunehmend für die physische Betätigung in der äußeren Natur, dann ist das ein Riesensprung zu einer nachhaltigen Lebensform. Keine Angst: Es geht nicht darum, zum Lebensstandard des Mittelalters zurückzukehren (mit Rheuma und Kreuzproblemen), sondern zu einem vorindustriellen Ressourcenverbrauchsniveau - allerdings bei höchster Lebensqualität. Dieser Schritt nach vorn würde im Unterschied zu früheren Kulturen auf einer bewussten Entscheidung basieren, die wiederum auf einer göttlichen Empfindung beruht: Glückserfahrung und Erfüllung in der manuellen Tätigkeit: im Zimmern von Möbeln, im Weben von Kleidern, in der Gestaltung der Hausfront, im Anbau von Gemüse und Kräutern. Das ist kein Plädoyer für lückenlose Selbstversorgung, sondern für die Renaturierung von Arbeit und die Renaissance des Handwerks. Genauer: Da sowohl der eigene Körper als auch Mutters Leib heilig sind, bedarf es Arbeitsmethoden und einer Arbeitsorganisation, welche weder die Gesundheit der Menschen noch die der Biosphäre beeinträchtigen. Eine doppelte Herausforderung.



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