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Das heißt nun nicht, dass wir nichts mehr essen und verändern dürfen, aber das buddhistische Prinzip von der "geringst möglichen Spur", die wir hinterlassen sollen, ist hier sicher ein Wegweiser, der als "geringst mögliche Eingriffstiefe" bereits in die Nachhaltigkeitsdiskussion Eingang gefunden hat.

Zurück zum Herzen: Wenn Gott nicht im Himmel haust, sondern im eigenen Sonnengeflecht, erfährt auch der Begriff des Gehorsams eine Umkehrung: Gehorsam ist dann nicht, wer von außen kommende Gebote oder Verbote, die der jeweils zuständigen Gottheit unterstellt werden, befolgt - und in Gottes Nachfolge die Gebote der Eltern, Lehrer und restlichen Autoritäten -, sondern die Anweisungen des eigenen Herzens.

Was heißt das? In uns drin ist es alles andere als stumm. Die innere Stimme ist überaus gesprächig, wenn wir ihr bloß unser Ohr leihen. Genau das ist in unserer außenorientierten Sozialisation nicht üblich. Wer sich selbst vertraut, weiß es aber: Die innere Stimme ist nicht nur bei konzentriertem Horchen deutlich vernehmbar, sondern auch sehr, sehr weise und hat auf jede Lebensfrage eine Antwort. Die reichste aller Informationsquellen befindet sich - auch im Zeitalter des Internet - als "lokale Ressource" in uns selbst. Vorausgesetzt, wir verstehen aus ihr zu schöpfen, indem wir auf sie hören, durch Gehorsam. Die innere Stimme kann auch in Bildern sprechen. Das macht die Kommunikation nicht nur (zeit)ressourceneffizienter, sondern auch anschaulicher. Und anstelle eines dritten Ohrs braucht es dann ein drittes Auge: das göttliche (mit dem Gott sich selbst schaut).

Den Satz "Du sollst dir kein Bild von Gott machen" habe ich bisher nicht verstanden, jetzt macht er plötzlich Sinn: Wir sollen uns kein vom moralischen Verstand vorgefertigtes Bild von uns selbst machen, das meistens ohnehin nur den Erwartungen derer entspricht, deren Aufmerksamkeit wir auf uns ziehen wollen - sondern darauf hören, was die innere Stimme sagt [auf Gott]. Das Problem: Sie sagt gar oft, was wir partout nicht hören wollen: die göttliche Wahrheit. Deshalb hört ihr kaum jemand zu. Und so verlieren wir unsere Göttlichkeit. "Mut" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, an dehnbaren Seilen von hohen Türmen zu springen, sondern nach den Eingaben unserer inneren Stimme zu handeln und auf diese Weise göttlich zu werden.

Ein aktuelles Beispiel: In den Fit- und Wellness-Centern versuchen wir, ein externes Gottesbild [von uns selbst] zu erreichen: "Schönheit" degeneriert zur messbaren Norm. Bewegungen werden nach genau vorgegebenen Mustern ausgeführt und nicht nach den spontanen Impulsen oder Bedürfnissen des Körpers. Die innere Stimme, die stets Ideen für kreative und lustvolle Bewegungen parat hat und gerade im improvisierten Tanz mit blinder Sicherheit Regie führt, hat im Fitness-Center und in Aerobic-Stunden nichts zu melden (abgesehen von der subjektiv angenehmsten Durchführung uniformer Bewegungen). Das innere Potential bleibt ungenutzt. Gott bleibt unerhört.

Jetzt aber des Pudels Kern: Die innere Stimme, die an der oben beschriebenen Kommunikation beteiligt ist, wird nie sagen: 'Baue eine Autobahn! Errichte ein Kernkraftwerk! Bereinige die Fluren! Rode den Regenwald!' Ganz im Gegenteil, sie wird bei jeder Schneise, die in Mutters Haar geschlagen, bei jedem Schnitt in Mutters Haut und bei jeder Rauchgaswolke, die in Mutters Lungen gepumpt wird, schmerzvoll aufschreien, als wäre es der eigene Leib. In diesem Sinn wird Umweltschutz zur Selbstverteidigung und Umweltzerstörung zur Selbstzerstörung. Und deshalb sagt Joanna Macy auch: In Anbetracht der globalen Umweltzerstörung ist Weinen und Trauern völlig o.k., wir haben allen Anlass dazu.

Das Problem besteht folglich darin, dass wir nach zweitausend Jahren mit externem Gott weitgehend verlernt haben, auf unsere innere Stimme zu hören; wir haben uns selbst nicht vertraut - daher der allgegenwärtige Mangel an "Selbstvertrauen". Stattdessen haben wir auf äußere Stimmen gehört (oder diese - besonders verzwickt - verinnerlicht) und dadurch den göttlichen Sinn unseres Lebens, Gehorsam nach innen, verloren. Wir haben Gehorsam nach außen geleistet, einer pervertierten Autorität, die sich nicht durch Vorbild oder Göttlichkeit, sondern durch Macht und Gewalt legitimiert, haben fremde Lebenszwecke übernommen (Machterwerb, Karriere, Konsum, Ruhm) und leben im Grunde ziemlich an unserer Göttlichkeit vorbei. Die Folgen/Symptome: hierarchische Gesellschaftsstrukturen, allgegenwärtiges Machtstreben, Wettbewerb um Markt-, Gesprächs- oder Sendeanteile - und Umweltzerstörung in all ihren Facetten. Wenn ich meine innere Stimme nicht höre (aus Angst vor den Sanktionen der äußeren Autorität), dann verstummt der Umweltanwalt in mir, und die Autobahnen können gebaut werden. (Und sie werden immer noch gebaut.) Der "Vorteil" der Umweltzerstörung liegt darin, dass man damit Geld verdienen oder neue Technologien durchsetzen kann. Beides bringt Macht, und darum geht's leider. Macht sucht aber nur, wer nicht online ist. Denn wer im großen Konzert mitschwingt, ist so erfüllt und energiegeladen, erlebt Macht mit den anderen, dass die Möglichkeit, Macht über oder gegen andere auszuüben, völlig unattraktiv erscheint. Wer Macht über andere ausübt, ist in der Tiefe seines Herzens nie glücklich, fühlt sich höchstens auf einer psychologisch defensiven Ebene "sicher".



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