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DOMESTIZIERUNG VON SAURIERN
Kommentar zur Fusionskontrolle
Der Kauf von Opel durch General Motors im Jahr 1929 zeigt: Die Fusionitis ist keine Krankheit der Gegenwart. Die Globalisierung verlief in Wellen durch die Geschichte. Dennoch ist der aktuelle Boom von Mergers & Acquisitions – eine Verzehnfachung seit 1990 – neu und geht primär auf die Liberalisierung von Waren-, Kapital- und Investitionsströmen durch WTO, IWF und Co. zurück.
Auffallend ist folgender Widerspruch: Während öffentliche Monopole mit dem Argument zerschlagen werden, dass Wettbewerb mehr Effizienz bringe, bilden die Privaten zielstrebig Oligopole und Monopole, weil angeblich der Zusammenschluss mehr Synergie bringe. Eine effektive Fusionskontrolle ist nicht in Sicht. Das Ergebnis: Unter den 100 größten Wirtschaftsmächten befinden sich nur noch 49 Staaten und schon 51 Unternehmen.
Die Macht der Multis ist zu einer zentralen Bedrohung für die Demokratie geworden. Transnationale Konzerne kontrollieren nicht nur Schlüsselressourcen, sondern auch Zukunftstechnologien, dazu kommen Lobbying, Korruption und eben Monopolbildung, was Preise treibt und Innovationen blockiert. Daher eine – zugegebenermaßen radikale – Idee: Ab einer bestimmten Größe, gemessen am Marktanteil, gehen multinationale Konzerne in das Eigentum der Allgemeinheit über.
Konzerne, die diese Grenze überschreiten, werden z. B. von der UNO verwaltet und haben nicht mehr die Profitmaximierung zugunsten Privater zum Ziel, sondern Allgemeininteressen. Im Fall von Pharmakonzernen könnte die Forschung zu Mitteln gegen Haarausfall und Potenzproblemen auf Malaria und andere „Arme-Leut-Epidemien“ umgestellt werden; im Fall von Autofirmen die Herstellung von höchstens 3-Liter-Autos oder besser die Umrüstung auf Öffi-Technologie; im Falle Microsofts die Ablöse von Windows durch das stabilere Linux.
Zu diesem Wunsch-Szenario wird es vermutlich nie kommen, weil die Multis alles daran setzen werden, die kritische Grenze nicht zu überschreiten. Genau das wäre aber das Ziel: eine effektive und obendrein kostenlose Fusionskontrolle.
Christian Felber ist freier Publizist und Pressesprecher von Attac
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